Kunstsammler in Wien

Eine Serie von Interviews, aufgezeichnet von Rudolf Schramm

Folge 1: Ungarische Connections

 

Dr. P.:

Der Anstoß zur Beschäftigung mit der Kunst erfolgte durch meinen Zeichenprofessor in Budapest. Als ich elf war, ging unser Zeichenprofessor mit uns einmal in der Woche Fußball spielen, auf der Margaretenwiese am Fuße der Burg. Danach folgte immer ein etwa 20minütiger Besuch des Kunsthistorischen Museums, wo er uns jeweils ein einziges Bild vorstellte und erklärte – und uns mit dem Leben des Malers vertraut machte. Das war so etwas wie ein Deal: zuerst durften wir Fußball spielen, dann mussten wir zuhören. Ich weiß nicht, wie es den anderen Schülern dabei erging, aber in mir hatte der Lehrer einen Funken entzündet, der im Laufe der Zeit zur großen Flamme der Begeisterung für die Kunst wurde.

Ich habe ihn dann viele Jahre nicht mehr gesehen, ihn aber vor einigen Monaten wiedergetroffen – und ein Bild von ihm gekauft. Er erzählte mir, wie schwer es für ihn im kommunistischen Ungarn gewesen war, sich als Künstler zu betätigen. Damals wurden ja alle, die im weitesten Sinne mit Kunst oder Kultur zu tun hatten, misstrauisch beäugt oder sogar regelrecht verfolgt, sofern sie nicht im Sinne der Partei arbeiteten.

1965, im Alter von 13 Jahren, kamen wir nach Wien, wo ich das Gymnasium in der Fichtnergasse besuchte. Natürlich sprach ich anfangs sehr wenig deutsch. Ein ungarisch sprechender Religionsprofessor nahm sich meiner an und nach und nach verbesserten sich meine Deutschkenntnisse zusehends. Was die Kunst anbelangte, so bot Wien schon damals eine große Fülle von Möglichkeiten, sich zu informieren. Ich war ganz ohne System viel in Ateliers und Galerien unterwegs, sah jede Menge zeitgenössische Arbeiten und lernte zahlreiche österreichische Künstler persönlich kennen. Vorher war ich fast ausschließlich mit klassischer Moderne in Berührung gekommen – und zwar durch meinen Onkel in Ungarn, der auch Sammler war.  Schon als Kind erlebte ich mit, dass er einmal eines seiner Bilder verkaufte und aus dem Erlös eine Eigentumswohnung für seinen Sohn erwarb. Wenn man sich vergegenwärtigt, wie rar und kostbar damals Wohnungen in Budapest waren, kann man sich vorstellen, wieviel dieses eine Bild meinem Onkel eingebracht hatte. Ich war sehr beeindruckt.

Später, als wir in Speising lebten, fuhren mein um sieben Jahre älterer Bruder und ich oft in die Stadt und sahen uns Schaufenster an.  Im Dorotheum entdeckte ich ein Bild eines unbekannten Malers, das mir sehr gut gefiel und das für einen ganz niedrigen Preis zu haben war. Das wurde mein allererster Kunstkauf.

Einer der Künstler, die mich mit ihrer Arbeit, aber auch als Persönlichkeit sehr beeindruckt haben, war Josef Mikl.  Er kam ursprünglich als Patient zu mir. Er litt unter Kreuzschmerzen, wohl eine Folge der Tatsache, dass er jahrelang in gebückter Haltung gemalt hatte. Man hatte ihm zu einer OP geraten und er kam zu mir, um sich zu vergewissern, dass diese wirklich notwendig sei. Ich stellte schon bei der ersten Untersuchung fest, dass eine Operation nicht erforderlich war. In der Folge sind wir dann Freunde geworden. Er war, kann man schon sagen,  eine etwas  skurrile Persönlichkeit, vielleicht war er auch deshalb eng mit Qualtinger befreundet (lacht). Eine seiner Marotten war, immer ein kleines Kaffeehäferl mit sich zu führen, aus dem er dann im Cafè oder im Gasthaus den beim Ober georderten Wein trank.

Meine mentale Versöhnung mit meinem Heimatland Ungarn fand in den 90er Jahren statt. Damals besuchte ich in Linz eine Ausstellung ungarischer Avantgarde von 1920 bis 1980, die Peter Baum kuratiert hatte. Dabei lernte ich einige ungarische Künstler näher kennen, mit denen ich auch in Kontakt blieb und habe auch eines der ausgestellten Bilder erworben. In der Folge bin ich dann ein, zwei Mal wieder nach Ungarn gefahren. Das Bild, das ich gekauft hatte, war ein „Kopf“ von Akos Birkas, den ich immer als Ei gesehen hatte. Davon hatte er im Laufe der Jahre Dutzende in ganz unterschiedlicher Weise gemalt. Zu dem Zeitpunkt, als ich ihn kennenlernte, hatte er gerade zu einer mehr gegenständlichen Malerei gewechselt.

Eine wirklich beeindruckende Künstlerin, die ich kennen zu lernen die Freude hatte, war Hildegard Joos. Sie war lange Zeit als Sekretärin beim Vater einer meiner Freunde beschäftigt, der ihre künstlerischen Bemühungen schon seit vielen Jahren unterstützt hatte, ohne jedoch damit einen Impuls in der Öffentlichkeit erzielt zu haben. Als ich sie erstmals traf, war sie schon über 80 Jahre alt. Was mir besonders imponierte, war, dass sie auch in diesen fortgeschrittenen Lebensjahren noch immer neugierig und kreativ war und sich bisher unerprobten Techniken zuwandte. In den ersten Jahren ihres Schaffens hatte sie vorwiegend Landschaften gemalt. Danach lag ihr hauptsächliches Betätigungsfeld in der narrativen Geometrie. Ganz unvermittelt fing sie plötzlich an, monochrom zu malen. Ein ganz und gar ungewöhnliches Experiment, das sie ebenfalls erst in dieser späten Phase ihres Lebens durchführte, war, die Farbe mit den Handknöcheln statt mit dem Pinsel  auf die Leinwand aufzubringen. Ich bin sehr glücklich, ein Exemplar dieser eigenwilligen Technik in meiner Sammlung zu haben.

Herbert Brandl habe ich schon als ganz jungen Maler kennen und schätzen gelernt. Damals hatte ich noch nicht die finanziellen Mittel, ein Bild von ihm zu erwerben, heute aber erfreue ich mich über einige davon an meinen Wänden.

Zahlreiche Arbeiten habe ich auch auf meinen Streifzügen durch Flohmärkte erworben und manchmal die Künstler von denen sie stammen, erst später kennengelernt, zum Beispiel Peter Dotrel, der vor 5 Jahren verstorben ist. Auf einem Trödlermarkt fand ich auch mein erstes Bild von Thomas Ritter. Später habe ich dann weitere von ihm bei seiner deutschen Galerie Depelmann gekauft.  Eines Tages – es dämmerte schon – kam ein mit Bildern beladener Lastwagen vor mein Haus gefahren und  Herr Depelmann stieg aus. Er packte eine Reihe von Werken Ritters aus und platzierte sie an den Alleebaumen direkt vor meinem Fenster, so dass ich sie alle noch bei Tageslicht betrachten konnte. Das war eine sehr berührende Szene.

Während eines  Urlaubs in Madrid wurde mir einmal der Besuch eines „Künstlerviertels“ empfohlen, das sich aber eher als Trödlerviertel erwies. In einem der Schaufenster aber entdeckte ich ein mittelgroßes Bild, das mich spontan ansprach. Ich ging in den Laden hinein und machte dem Inhaber deutlich, dass ich diese und nur diese Arbeit ganz fantastisch fände. Auf seinem Gesicht erschien ein glückliches Lächeln und seine Brust schien anzuschwellen – denn es stellte sich heraus, dass er der Maler dieses Werkes war. Nachdem er lange Jahre versucht hatte, mit der Kunst seinen Lebensunterhalt bestreiten zu können, hatte er aufgegeben und diesen Altwarenladen eröffnet. Man kann sich seinen Stolz vorstellen, als er von mir „entdeckt“ wurde.

Sehr viel Anregungen und Kenntnisse habe ich dem Galeristen Hans Knoll zu verdanken, der seit Jahren Kunstreisen in osteuropäische Länder organisiert und durchführt.  Jeweils 8 bis 12 Personen werden dabei durch Galerien, Ateliers und Künstlertreffs einer Stadt wie z.B. St. Petersburg oder Budapest geführt und es findet meistens ein reger Informations- und Gedankenaustausch mit einheimischen Künstlern, Kuratoren und Galeristen statt.  Knoll kam ursprünglich vom Lande und hatte sich in den 80er Jahren in den Kopf gesetzt, eine Galerie zu gründen. Und zwar nicht irgendwo, sondern ausgerechnet in dem damals kommunistischen Budapest. Was für eine bizarre Idee!  Die er aber – trotz erdrückend scheinender Bürokratie und gegen alle Hürden auch finanzieller Art – verwirklichen konnte. Natürlich waren die Anfänge, wie man sich gut vorstellen kann, alles andere als leicht. Aber als sich die Sowjetunion in Luft auflöste, war seine Galerie in der Hauptstadt Ungarns plötzlich ein heftig frequentierter Ort: westliche Kunstinteressierte und Kunsthändler nutzten Knolls Kenntnisse und Kontakte für einen Einstieg in die Länder des Ostens – und Künstler aus Ungarn, Russland, der Slowakei und anderen Staaten der Region drängten über ihn in den Westen. Er hatte alles richtig gemacht.

Nächste Folge: Ein Künstler mit Kindheitstrauma

Über Qualitäts-Kriterien für die Kunst der Moderne 3. Teil

Ein Text von: Rudolf Schramm

 

In einem Beitrag von Piroschka Dossi, einer deutschen Kunstkuratorin, die im Aufsichtsrat der artnet AG tätig war (oder noch ist?), geht es auch um die Frage „Woran erkennt man (gute) Kunst?“*

Zum nicht geringen Erstaunen des Lesers packt sie die folgende Antwort von Jeremy Deller, Turnerpreisträger 2004, aus. Er sagt einfach und lapidar: „Am Preis“.

Aha!

Frau Dossis Kommentar dazu: „Der Preis als definierender Bestandteil des Kunstwerks ist Kulminationspunkt einer Logik, in der Kunst nicht mehr zu sein scheint als ein Spiegel unserer Gegenwart und der sie durchdringenden Prinzipien des Marktes. Eine Voraussetzung für dieses „Nullsummenspiel“ zwischen Gegenwart und Kunst ist die Auflösung verbindlicher Qualitätsmaßstäbe. Was ist in der Gegenwartskunst Qualität? Diese Frage ist heute schwerer denn je zu beantworten.“

Wie wahr, wie wahr!

Aber halt! Da gibt es in Wien einen Mann, für den es anscheinend keinerlei Problem darstellt, eine eindeutige und höchst exakte Antwort zu formulieren. Lauschen wir den erhellenden Worten von Hubert Thurnhofer, Leiter des Kunstraums in den Ringstraßen Galerien:

„Was ist das Wichtigste an der Qualität von Kunst? Die ITÄT, sonst wird die Kunst zur Qual.

Das ist nicht nur ein Wortspiel, sondern lässt sich auch rational entschlüsseln: ITÄT, steht für
I = Idee (welche Idee liegt einem Kunstwerk zugrunde, ist es originell, originär, oder bloß epigonenhaft?)
T = Thema (wie ist das jeweilige Werk thematisch im Oeuvre des Künstlers einzuordnen, haben seine Werke Bezug zu den Themen der Zeit, verfolgt er Modetrends oder geht er seine eigenen Wege?)
Ä = Ästhetik (welche ästhetischen und kompositorischen Prinzipien verfolgt der Künstler, ist das Bild im konventionellen Sinn schön oder hässlich oder setzt es neue ästhetische Maßstäbe?)
T = Technik (werden Ideen, Themen, Ästhetik mit technischer Brillanz realisiert, wird die Umsetzung den eigenen Ansprüchen des Künstlers gerecht, kurz ist seine Technik State of the Art?)“

Na endlich einer, der konkret wird. Es taucht leider nur ein neues, schwer zu überwindendes Problem auf, besser gesagt, eine ganze Reihe davon: Wer entscheidet, ob eine Idee originär ist, ob das Werk Bezug zu den Themen der Zeit hat, was schön und was hässlich ist, wo man die neuen ästhetischen Maßstäbe kennenlernen kann – und wie man um alles in der Welt beurteilen können soll, ob die Umsetzung den eigenen Ansprüchen des Künstlers gerecht wird? Bitte schön, wie?

Also hat uns auch das nicht weiter gebracht.

Vielleicht aber ist alles viel einfacher als wir glauben.           Denn wenn wir Piroschka Dossis Aussagen ein wenig weiter verfolgen, kommen wir dem Mysterium guter Kunst eventuell doch noch ein Stück weit näher. Sie sagt nämlich: „Was als Kunst gilt, bestimmen nicht mehr handwerkliches Können oder Regeln der Bildkomposition, sondern ein eng vernetztes Einflusssystem der Kunstbewertung, in dem Galeristen, Händler, Kuratoren, Kritiker und Sammler in wechselseitiger Beobachtung und Beeinflussung miteinander verflochten sind.

Die Experten des Kunstsystems geben ihr kulturelles und die Akteure des Kunstmarkts ihr finanzielles Votum für einen

Akteure des Kunstmarkts ihr finanzielles Votum für einen bestimmten Künstler ab, wobei sich die beiden Abstimmungen aufgrund der engen persönlichen und teilweise auch funktionalen Verflechtungen über den Zeitablauf angleichen, und entscheiden damit über dessen relative Bedeutung.“

Denn etwas einfacher ausgedrückt heißt obiges nichts anderes als: Es gibt im weltweiten Kunstmarkt (meistens dank selbstzugeschriebener Autorität* Anmerkung RS) eine Reihe von „Experten“, die in zweckdienlicher Einigkeit unter sich ausmachen, was gute und was schlechte Kunst und was sie kosten soll und kosten darf. Und vieles deutet darauf hin, dass sie damit so unrecht nicht hat.

Nach all dem, was ich zu diesem Thema gelesen, gehört und recherchiert habe, kommt die ernüchternde Quintessenz, die Frau Dossi präsentiert, der Wahrheit über den Kunstmarkt sehr nahe. Nicht aber unbedingt der Wahrheit über die zeitgenössische Kunst selbst.

Meine persönliche Erfahrung ist, dass man nach hunderten Besuchen von Galerien, Museen, Ausstellungen oder Künstlerateliers sehr wohl ein eigenes Gefühl für Qualität in der Moderne entwickelt. Hand in Hand damit geht die Entwicklung eines eigenen Geschmacks und eigener Vorlieben so wie auch Abneigungen. So gibt es einige weltweit angesehene und hochgelobte Künstler, die ich für unbegabt und scharlatanesk halte. Mein gutes Recht. Auf der anderen Seite kann ich mich für viele, viele Werke des 20. und 21. Jahrhunderts dermaßen begeistern, dass ich sie am liebsten allesamt Tag und Nacht um mich haben möchte.

https://www.welt.de/kultur/article1303099/Qualitaet-erkennt-man-am-Preis.html

Über Qualitäts-Kriterien für die Kunst der Moderne 2. Teil

Wer nun doch daran glaubt, dass es Qualität sehr wohl auch in der Kunst des 20ten und des 21ten Jahrhunderts gibt und wissen möchte, wie man sie von ihrem Gegenteil unterscheiden könne, kommt rasch darauf, dass er weder der Erste noch der Einzige ist, den diese Frage beschäftigt.

Auch den Berliner Kunstsammler und -händler Wolfram Völker hat sie so stark beschäftigt, dass er zahlreiche Menschen, die es eigentlich wissen müssten, um Aufklärung gebeten – und deren Antworten in einem Buch zusammengefasst. Titel: „Was ist gute Kunst?“*

Hören und schauen wir uns an, was Leute des Fachs dazu zu sagen haben. Da wäre einmal Dr. Christoph Heinrich, der in Wien Kunstgeschichte, Theaterwissenschaften und Germanistik studierte und heute als Direktor des Denver Art Museums tätig ist. Er meint: „Man kann davon ausgehen, das Qualität – und ebenso ihr Antagonist, der Kitsch – ein mehr oder minder breit abgestützter Konsens zwischen Produzenten/Künstlern und Endverbrauchern/Publikum ist“. Im Folgenden stellt er dann einige seiner Lieblingswerke vor und erläutert anhand derer, warum sie für ihn Beispiele für Qualität darstellen (u.a. Pink Bow von Jeff Koons und Dog Planet von Daniel Richter). Die Crux dabei: die Kriterien, die auf einzelne, ganz bestimmte Werke zutreffen, lassen sich nicht verallgemeinern, nicht zu einer Formel für die Beurteilung anderer Arbeiten ummünzen.

In seinem Fazit sagt er dann auch: „Es ist nicht einfach, eine Schlussfolgerung zu ziehen, es fällt schwer, die strahlende, anbetungswürdige >Qualität< zu benennen, ebenso schwer, wie ihre nächtliche Gegenseite, den grell herausgeputzten, verlogenen Bruder >Kitsch<.

Meine spontane Anmerkung dazu: Ich weiß gar nicht, ob Kitsch der wahre und einzige Gegenpol von guter Kunst ist. Gerade in der Gegenwartskunst gäbe es da für mich noch einige andere Anwärter: ideenlose, stümperhaft konzipierte und/oder mangelhaft ausgeführte Arbeiten.

*Erschienen im Hatje Cantz-Verlag

 

 

 

 

Die zweite profilierte Stimme im Bereich Malerei (das Buch ist nach verschiedenen künstlerischen Medien gegliedert) kommt von der deutschen Kunsthistorikerin und Museumskuratorin Gudrun Inboden. Sie ist der Meinung: „Was Qualität in der Kunst ist, lässt sich nicht definieren. Wie denn auch, wenn Kunst selbst nicht definierbar ist.

 

Aber eine gewisse Annährung an etwas Konkretes gibt es dann doch. Gudrun Inboden sagt nämlich: „ Doch so nebulos für uns das Wort „Qualität“ uns so ungeregelt sein Gebrauch auch sind, so liegt vielleicht gerade darin seine >Qualität<. Es eignet sich nämlich ganz und gar nicht dazu, der Kunst ein gewisses Sosein zu- oder vorzuschreiben Nehmen wir >Qualität< also so vage, wie sie ist und denken wir sie nicht als verlässliche, unveränderliche statische Konstante, sondern als „vage“, nicht berechenbare , dynamische Variable, die tatsächlich in der Kunst ihr Wesen treibt. Wir können uns Qualität dann vorstellen als eine eine >in< der Kunst wirkende >substantielle< Kraft, nicht als Energie, die etwas produziert – denn dann könnten und müssten wir wieder >definieren<, vielmehr als eine Kraft, die Impulse gibt, die anstößt, auslöst, in Gang setzt.“

 

Leider reicht diese Annährung nicht,           mich dazu zu befähigen, in der Moderne das Gute vom Bösen zu scheiden. Und so stehe ich auch am Ende der 2. Folge noch immer da wie Faust als Tor, der so klug ist ..na, Sie wissen schon.. Aber lassen wir die Hoffnung nicht sinken und schauen am nächsten Wochenende bei Folge 3 herein, um zu sehen, ob uns die Augen endlich aufgehen.

 

Über Qualitäts-Kriterien für die Kunst der Moderne 1. Teil

Ja, ja, die Moderne. In früheren Jahrhunderten war es wohl wirklich um einiges einfacher, wahre Meister von jenen, die es gerne hätten sein wollen, zu unterscheiden. Bildkomposition, Detailgetreue, Farbwahl und eine Reihe anderer mehr oder weniger offensichtlicher Kriterien halfen, ein Werk zu beurteilen.

Heute ist alles ganz anders. Viele der ehedem gültigen „ehernen Gesetze“ in der bildenden Kunst werden nicht nur ignoriert, sondern bewusst gebrochen, unterlaufen oder gar in ihr Gegenteil verkehrt. Und der Kunstwelt gefällt`s. Heißt das nun, dass heutzutage jeder Künstler tun kann, was er will? Ob er was kann oder nicht? Und was ist es, das er können sollte, wenn er denn als guter Künstler gelten will?

Wer auf diese Fragen wirklich nach einer befriedigenden Antwort sucht, muss sich im Klaren darüber sein, dass er einen sehr, sehr steinigen Weg vor sich hat. Denn hier trifft der banale aber beliebte Satz „leicht ist anders“ einmal wirklich zu.

Aber Sie schaffen das, also kommen Sie an meine Seite, gehen wir es an:

Fast zu undurchsichtig ist der moderne Kunst-Dschungel. Einerseits steht man als Betrachter oft einem Kunstwerk gegenüber, das so sperrig und unzugänglich ist, wie ein Strauch voller Kletten, andererseits hört und sieht man vom Leben und Werk mancher international anerkannter Künstler, deren hauptsächliche Leistung darin zu bestehen scheint, dass sie in ihrem Heimatland verfolgt werden.

Menschen, die ohne Kämpfergeist in ihren Genen geboren und aufgewachsen sind, könnten sich nun umdrehen und sagen: „Vergiss die Moderne“ – andere Zeitgenossen, die mit mehr Aggressionspotenzial gesegneten, neigen eher dazu, das gesamte zeitgenössische Kunstschaffen zu attackieren, zu verdammen oder lächerlich zu machen.

Ein typisches Beispiel dafür bietet uns als einer der eifrigsten und rührigsten dieser Spezies, ein amerikanischer Maler namens Robert Florczak, heute offenbar Kunstlehrer an der Universität in Prag, der seine Ansichten in dem Essay „Why Is Modern Art So Bad?“ darlegt.

Today the silly, the pointless, and the purely offensive are held up as the best of modern art.

Es ist jedoch sehr unwahrscheinlich, dass er mit seinen eigenen rückwärtig gewandten, süßlichen Mythen- und Märchen-Malereien viele Anhänger der Moderne auf seine Seite wird ziehen können.

Ende Teil 1. Nächstes Wochenende gibt`s Teil 2

Kunstfälschungen als Gewinn

Kunst & Kriminalität

Autor: Ernest Hemingway

Dass in dieser Welt so manches falsch läuft, wissen wir alle und erleben es auch Tag für Tag. Aber dass es eine Welt gibt, in der Falsches zwar virtuos, aber mit böser Absicht und viel krimineller Energie produziert wird, dessen sind wir uns nicht immer gewahr. Nun, ein Besuch im Fälschermuseum im 3. Wiener Gemeindebezirk öffner uns in dieser Hinsicht die Augen und lässt und teils belustigt, teils bestürzt zurück.

fälschermuseum wien

Man sei sich nicht so sicher

Namen wie Lothar Malskat, Elmyr de Hory, Tom Keating, Edgar Mrugalla oder David Stein sagen den meisten Menschen überhaupt nichts, manchem Kunstsammler aber haben sie nach Bekanntwerden ihrer Tätigkeit so manche Perle des Angstschweißes auf die Stirne getrieben. Mrugalla beispielsweise gab nach seiner Entlarvung 1987 zu Protokoll, ca. 25oo Gemälde und Graphiken mit einem Gesamtwert mit einem Gesamtwert von rund 20 Millionen Euro gefälscht und in den Kunstmarkt geschleust zu haben. Und einige davon sind sicherlich heute noch in großen Museen als „faszinierende Originale von der Hand großer Meister“ zu besichtigen und zu bestaunen.

„Die Welt will betrogen werden, also betrüge ich sie“, war das Motto des britischen Kunstfälschers Eric Hebborn. Eine seiner Meisterleistungen bei der Umsetzung dieses Vorhabens war zweifellos eine Leonardo-Zeichnung, die lange Zeit in der Londoner Nationalgalerie hing. Allerdings brachte sein brillantes „Handwerk“ ihm zwar kurzfristig eine Menge Geld ein, langfristig aber kein Glück: im Alter von 62 Jahren wurde ihm – von einem geleimten Kunstsammler? – der Schädel eingeschlagen.

Ebenso tragisch endete auch das Leben des ungarischen Malers Elmyr de Hory. Er begann seine Karriere als Fälscher 1946, als er einen „selbstgemachten“ Picasso an den Mann brachte. Er fand Geschmack an dieser Art von Geschäften und fertigte gleich eine ganze Serie von kleinen, feinen und ziemlich teuren Picassos an, die sich allesamt glänzend verkauften. Als diese Spezialisierung zu einseitig und Argwohn erregend wurde, erweiterte er seine Palette und brachte nun „echte Werke“ von Renoir, Modigliani und Matisse in den Markt. Später kamen noch einige andere namhafte Meister dazu. Schließlich wurde ihm die Liebe zu und die Zusammenarbeit mit Fernand Legros, einem jungen Franzosen, zum Verhängnis. Durch einen Streit ums Geld flog ihre gemeinsame Fälschertätigkeit auf und Eric Hebborn drohte eine hohe Gefängnisstrafe, der er sich durch Einnahme einer Überdosis Schlafmittel entzog.

Diese und zahlreiche andere spannungs- und lehrreiche Geschichten werden uns hier von den Wänden herunter erzählt.

Leider gibt es im Wiener Fälschermuseum keine Dokumentation über einen der jüngsten großen Fälle, den von Meisterfälscher Wolfgang Beltracchi, weil die Anschaffung eines entsprechenden Belegwerkes zu kostspielig ist, wie die Leiterin Diane Grobe uns verriet, aber eines steht dennoch fest: es ist nicht falsch, zu behaupten, dass ein Besuch dieses kleinen Spezialmuseums ein echter Gewinn ist.

Lob an einen Kunstsinnigen

Wer ab und an in der Wiener Galerien-Szene unterwegs ist und bei dieser Gelegenheit hie und da in eine Vernissage der Marke „Künstler ist anwesend“ hineintappt, der kennt ihn – oder ist ihm dort zumindest schon einmal begegnet. Die Rede ist von Dr. Volkmar Käppl.

Dr. Käppl ist wohl einer der agilsten und aktivsten Kunstsammler des Landes. Zu den Beutestücken, die er bei seinen Streifzügen durch Ateliers, Antiquariate, Galerien und Museen erwirbt, gehören von Künstlern signierte Ausstellungskataloge ebenso wie Zeichnungen, Gemälde und Skulpturen jüngerer und älterer Kunstschaffender aller Kunstrichtungen. Wobei im Zentrum seines Erwerbs immer eines steht: Die Qualität der Arbeiten!

Wie man aus Künstlerkreisen immer wieder vernimmt, dürfte die Sammlung Käppl zu den interessantesten Kunstsammlungen des Landes zählen: Sie vereint einen breiten Querschnitt vorwiegend österreichischer Kunst nach 1945 in einer spannenden Zusammenschau hochqualitativer Arbeiten bekannter Positionen und zahlreicher in der öffentlichen Wahrnehmung weniger (zu wenig, wie der Sammler sagt) beachteter Künstlerinnen und Künstler.

Kunstsammlung Volkmar Käppl - Portraitzimmer mit Portraits gemalt von Hans Glaser, Titanilla Eisenhart, Judith Grosser und wiener Portraitmaler Stephan Ois
Das Portraitzimmer der Kunstsammlung Käppl mit Ölportraits, gemalt von den Portrait-Künstlern: Stephan Ois, Titanilla Eisenhart, Judith Grosser und Hans Glaser

Einzigartig sind auch die Sammlungsgebiete, welche die Kunstszene dokumentarisch begleiten: Neben tausenden signierten Einladungskarten zu Ausstellungen besticht Österreichs (und wohl im weiten Umkreis) größte Bibliothek signierter Kunstbücher mit insgesamt weit über 12.000 Bänden.

„Kunst ist für mich ein Lebensmittel, geradezu ein Überlebensmittel“, bekennt der Sammler.

Nachwuchstalent Franz Braun

Text von Rudolf Schramm

Maler, Musiker, Mini-Verleger. Der vielseitig begabte junge Mann, von dem hier die Rede ist, heißt Franz Braun. Von 2010 bis 2014 studierte er an der Universität für angewandte Kunst in Wien Malerei bei Johanna Kandl und Gerhard Müller. Resultate dieses Studiums sind u.a. bestechend lebendige realistisch gemalte Darstellungen von Menschen. Seine zweite große Leidenschaft, die Musik, lebt er als Schlagzeuger einer 3-Personen-Band aus, die übrigens – aufgepasst!! – immer wieder nach Auftritts-Möglichkeiten und -Räumlichkeiten sucht. Hier und heute aber beschäftigt uns seine dritte Art, sich kreativ auszuleben: Pirol.  Hinter diesem anmutigen Titel (der auch für eine Enthüllungsplattform herhalten könnte), verbirgt sich ein Faltblatt, dessen Potential noch darauf wartet, sich zu entfalten.

Pirol ist das Produkt einer Gruppe von jungen Menschen, die ihre Neigung zur und ihre Begeisterung für Kultur in jede der mittlerweile 7 Ausgaben stecken: Rund um Franz Braun gestalten malend, dichtend und schreibend wechselnde Freunde und Künstler aus seinem Umfeld diese Gazette. Immer dabei: seine Ehefrau Jasmin Rehrmbacher, die eine Comicserie gestaltet und Illustrationen zum Pirol beisteuert. Andere schreiben Kunstkritiken, Gedichte, Kurzgeschichten oder präsentieren ihre jüngsten künstlerischen Arbeiten. Die Finanzierung von Druck und Nebenkosten wird von den jeweils Beteiligten gemeinsam geschultert. Jeder ist mit der gleichen Summe am Endprodukt beteiligt. Angestrebtes Ziel aller ist es, ein ständiges Forum für den Diskurs um Gegenwartskunst und für die Präsentation junger Künstler in die Welt zu setzen.

Das größte Problem dieses mit relativ wenig Geld und viel Liebe gestalteten Pirol ist noch die Verteilung. Zwar legen schon einige Buchhandlungen, wie der „Salon für Kunstbuch“ – und auch die städtische Wiener Hauptbibliothek – das Druckwerk auf, aber für den Anspruch der Macher sind diese Outlets noch viel zu wenige. Aber Besserung ist in Sicht. Denn die ursprüngliche Auflage von 500 Stück war im vergangenen Jahr bereits regelmäßig vergriffen und für die neue, erhöhte Auflage wird von vielen Seiten bereits erhöhtes Interesse angemeldet.

Wenn auch Sie jetzt ein solches verspüren: unter redaktion.pirol@gmail.com können Sie sich ein Exemplar sichern.

 

Mein erstes Portrait in Öl

Die Entstehung eines spontanen Ölportraits – gemalt von Stephan Ois

Ein Text von Jonathan Seiffert

Stephan Ois - Zeitgenössischer Portraitmaler. Portrait In Öl malen lassen Wien
Jonathan, Wien 2017, spontanes Portrait in Öl auf Leinwand von Stephan Ois

Als ich Stephan Ois vor einiger Zeit kennenlernte, war ich sogleich von seiner Malerei, besonders von den lebendigen und ausdrucksstarken Ölportraits, begeistert. Hatte ich die factory18, Stephans Galerie und Kunstwerkstatt, Anfang des Jahres noch als Kunde betreten, arbeitete ich zwischenzeitlich als Assistent bei ihm und durfte währenddessen einigen Mal-Sessions, unter anderem einer Portraitsitzung des Rektors der Boku, beiwohnen. Des Öfteren überlegten wir, auch mich einmal zu portraitieren, konnten jedoch keinen geeigneten Zeitpunkt dafür finden.

Dann ging es auf einmal ganz schnell. Eines abends schlug Stephan vor, mich spontan an Ort und Stelle zu malen, was mich überraschte, da der Portraitkünstler seine Portraits normalerweise sorgsam plant und vorbereitet. So schaute ich zunächst voller Skepsis zu, wie er durch die factory schritt und alle zu benötigenden Materialen zusammentrug: einen alten Keilrahmen, eine schon auf den ersten Blick viel zu kleine Leinwand, die fast eingetrocknete Farbpalette eines vorherigen Gemäldes und natürlich den Malkoffer mit den Farben und Pinseln. Ich konnte mir nicht vorstellen, wie daraus ein Portrait entstehen sollte, denn all dies widersprach der Arbeitsweise, wie ich sie bisher bei ihm kennengelernt hatte. Einzig das Mischen neuer, sauberer Farben, die auf meine Haut- und die Umgebungstöne abgestimmt waren, beruhigten mich etwas. Doch dann traten erneute Zweifel auf, als ich sehen konnte, dass er gar nicht meinen ganzen Kopf, sondern nur den oberen Part meines Gesichtes in wilden Strichen wiedergab. Zwischendurch kratzte er mit der Spachtel einige Teile der alten Farbpalette ab und schmierte die erhärteten Reste in mein gemaltes Gesicht.

Dann war plötzlich Schluss. Mit einem breiten Grinsen im Gesicht forderte er mich auf, das Resultat zu betrachten. Etwas verunsichert durch die kurze Dauer des Malens und die verwendeten Materialen, wagte ich einen ersten Blick… und war auf Anhieb begeistert! Der freie Charakter des Portraits wurde durch die pastosen Bereiche mit den alten Farbresten und die wilde Pinselführung über den Bildrand hinaus nicht nur verstärkt, sondern vielmehr abgerundet. So entstand ein kleines Meisterwerk, auf das ich sehr stolz bin und das immer einen besonderen Platz bei mir haben wird.

Weitere Portraits in Öl vom Portraitkünstler Stephan Ois kann man auf www.ölportrait.at bewundern.

Neu: Mini Kunstsupermarkt in Wien

Ein neuer Kunstsupermarkt in Wien Währing findet zum zweiten Mal statt

 

 

Kunstsupermarkt Währing - Mini Kunstsupermarkt 2x im Monat

Schon der erste Termin im November 2017 lockte mit rund 800 Kunstwerken. Geboten wurden Zeichnungen, Aquarelle, Grafiken und Drucke zu Preisen ab 20 Euro aufwärts. Künftig findet der Mini-Kunstsupermarkt in der Währinger Straße 157 jeden ersten und letzten Freitag im Monat jeweils von von 13 bis 18 Uhr statt.

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