Kunstblog

Kunstfälschungen als Gewinn

Kunst & Kriminalität

Autor: Ernest Hemingway

Dass in dieser Welt so manches falsch läuft, wissen wir alle und erleben es auch Tag für Tag. Aber dass es eine Welt gibt, in der Falsches zwar virtuos, aber mit böser Absicht und viel krimineller Energie produziert wird, dessen sind wir uns nicht immer gewahr. Nun, ein Besuch im Fälschermuseum im 3. Wiener Gemeindebezirk öffner uns in dieser Hinsicht die Augen und lässt und teils belustigt, teils bestürzt zurück.

fälschermuseum wien

Man sei sich nicht so sicher

Namen wie Lothar Malskat, Elmyr de Hory, Tom Keating, Edgar Mrugalla oder David Stein sagen den meisten Menschen überhaupt nichts, manchem Kunstsammler aber haben sie nach Bekanntwerden ihrer Tätigkeit so manche Perle des Angstschweißes auf die Stirne getrieben. Mrugalla beispielsweise gab nach seiner Entlarvung 1987 zu Protokoll, ca. 25oo Gemälde und Graphiken mit einem Gesamtwert mit einem Gesamtwert von rund 20 Millionen Euro gefälscht und in den Kunstmarkt geschleust zu haben. Und einige davon sind sicherlich heute noch in großen Museen als „faszinierende Originale von der Hand großer Meister“ zu besichtigen und zu bestaunen.

„Die Welt will betrogen werden, also betrüge ich sie“, war das Motto des britischen Kunstfälschers Eric Hebborn. Eine seiner Meisterleistungen bei der Umsetzung dieses Vorhabens war zweifellos eine Leonardo-Zeichnung, die lange Zeit in der Londoner Nationalgalerie hing. Allerdings brachte sein brillantes „Handwerk“ ihm zwar kurzfristig eine Menge Geld ein, langfristig aber kein Glück: im Alter von 62 Jahren wurde ihm – von einem geleimten Kunstsammler? – der Schädel eingeschlagen.

Ebenso tragisch endete auch das Leben des ungarischen Malers Elmyr de Hory. Er begann seine Karriere als Fälscher 1946, als er einen „selbstgemachten“ Picasso an den Mann brachte. Er fand Geschmack an dieser Art von Geschäften und fertigte gleich eine ganze Serie von kleinen, feinen und ziemlich teuren Picassos an, die sich allesamt glänzend verkauften. Als diese Spezialisierung zu einseitig und Argwohn erregend wurde, erweiterte er seine Palette und brachte nun „echte Werke“ von Renoir, Modigliani und Matisse in den Markt. Später kamen noch einige andere namhafte Meister dazu. Schließlich wurde ihm die Liebe zu und die Zusammenarbeit mit Fernand Legros, einem jungen Franzosen, zum Verhängnis. Durch einen Streit ums Geld flog ihre gemeinsame Fälschertätigkeit auf und Eric Hebborn drohte eine hohe Gefängnisstrafe, der er sich durch Einnahme einer Überdosis Schlafmittel entzog.

Diese und zahlreiche andere spannungs- und lehrreiche Geschichten werden uns hier von den Wänden herunter erzählt.

Leider gibt es im Wiener Fälschermuseum keine Dokumentation über einen der jüngsten großen Fälle, den von Meisterfälscher Wolfgang Beltracchi, weil die Anschaffung eines entsprechenden Belegwerkes zu kostspielig ist, wie die Leiterin Diane Grobe uns verriet, aber eines steht dennoch fest: es ist nicht falsch, zu behaupten, dass ein Besuch dieses kleinen Spezialmuseums ein echter Gewinn ist.

Lob an einen Kunstsinnigen

Wer ab und an in der Wiener Galerien-Szene unterwegs ist und bei dieser Gelegenheit hie und da in eine Vernissage der Marke „Künstler ist anwesend“ hineintappt, der kennt ihn – oder ist ihm dort zumindest schon einmal begegnet. Die Rede ist von Dr. Volkmar Käppl.

Dr. Käppl ist wohl einer der agilsten und aktivsten Kunstsammler des Landes. Zu den Beutestücken, die er bei seinen Streifzügen durch Ateliers, Antiquariate, Galerien und Museen erwirbt, gehören von Künstlern signierte Ausstellungskataloge ebenso wie Zeichnungen, Gemälde und Skulpturen jüngerer und älterer Kunstschaffender aller Kunstrichtungen. Wobei im Zentrum seines Erwerbs immer eines steht: Die Qualität der Arbeiten!

Wie man aus Künstlerkreisen immer wieder vernimmt, dürfte die Sammlung Käppl zu den interessantesten Kunstsammlungen des Landes zählen: Sie vereint einen breiten Querschnitt vorwiegend österreichischer Kunst nach 1945 in einer spannenden Zusammenschau hochqualitativer Arbeiten bekannter Positionen und zahlreicher in der öffentlichen Wahrnehmung weniger (zu wenig, wie der Sammler sagt) beachteter Künstlerinnen und Künstler.

Kunstsammlung Volkmar Käppl - Portraitzimmer mit Portraits gemalt von Hans Glaser, Titanilla Eisenhart, Judith Grosser und wiener Portraitmaler Stephan Ois
Das Portraitzimmer der Kunstsammlung Käppl mit Ölportraits, gemalt von den Künstlern: Stephan Ois, Titanilla Eisenhart, Judith Grosser und Hans Glaser

Einzigartig sind auch die Sammlungsgebiete, welche die Kunstszene dokumentarisch begleiten: Neben tausenden signierten Einladungskarten zu Ausstellungen besticht Österreichs (und wohl im weiten Umkreis) größte Bibliothek signierter Kunstbücher mit insgesamt weit über 12.000 Bänden.

„Kunst ist für mich ein Lebensmittel, geradezu ein Überlebensmittel“, bekennt der Sammler.

Nachwuchstalent Franz Braun

Text von Rudolf Schramm

Maler, Musiker, Mini-Verleger. Der vielseitig begabte junge Mann, von dem hier die Rede ist, heißt Franz Braun. Von 2010 bis 2014 studierte er an der Universität für angewandte Kunst in Wien Malerei bei Johanna Kandl und Gerhard Müller. Resultate dieses Studiums sind u.a. bestechend lebendige realistisch gemalte Darstellungen von Menschen. Seine zweite große Leidenschaft, die Musik, lebt er als Schlagzeuger einer 3-Personen-Band aus, die übrigens – aufgepasst!! – immer wieder nach Auftritts-Möglichkeiten und -Räumlichkeiten sucht. Hier und heute aber beschäftigt uns seine dritte Art, sich kreativ auszuleben: Pirol.  Hinter diesem anmutigen Titel (der auch für eine Enthüllungsplattform herhalten könnte), verbirgt sich ein Faltblatt, dessen Potential noch darauf wartet, sich zu entfalten.

Pirol ist das Produkt einer Gruppe von jungen Menschen, die ihre Neigung zur und ihre Begeisterung für Kultur in jede der mittlerweile 7 Ausgaben stecken: Rund um Franz Braun gestalten malend, dichtend und schreibend wechselnde Freunde und Künstler aus seinem Umfeld diese Gazette. Immer dabei: seine Ehefrau Jasmin Rehrmbacher, die eine Comicserie gestaltet und Illustrationen zum Pirol beisteuert. Andere schreiben Kunstkritiken, Gedichte, Kurzgeschichten oder präsentieren ihre jüngsten künstlerischen Arbeiten. Die Finanzierung von Druck und Nebenkosten wird von den jeweils Beteiligten gemeinsam geschultert. Jeder ist mit der gleichen Summe am Endprodukt beteiligt. Angestrebtes Ziel aller ist es, ein ständiges Forum für den Diskurs um Gegenwartskunst und für die Präsentation junger Künstler in die Welt zu setzen.

Das größte Problem dieses mit relativ wenig Geld und viel Liebe gestalteten Pirol ist noch die Verteilung. Zwar legen schon einige Buchhandlungen, wie der „Salon für Kunstbuch“ – und auch die städtische Wiener Hauptbibliothek – das Druckwerk auf, aber für den Anspruch der Macher sind diese Outlets noch viel zu wenige. Aber Besserung ist in Sicht. Denn die ursprüngliche Auflage von 500 Stück war im vergangenen Jahr bereits regelmäßig vergriffen und für die neue, erhöhte Auflage wird von vielen Seiten bereits erhöhtes Interesse angemeldet.

Wenn auch Sie jetzt ein solches verspüren: unter redaktion.pirol@gmail.com können Sie sich ein Exemplar sichern.

 

Mein erstes Portrait in Öl

Text von Jonathan Seiffert über die Portraitmalerei von Stephan Ois

Stephan Ois - Zeitgenössischer Portraitmaler. Portrait In Öl malen lassen Wien
Jonathan, Wien 2017, spontanes Portrait in Öl auf Leinwand von Stephan Ois

Als ich Stephan Oismüller, alias Stephan Ois vor einiger Zeit kennenlernte, war ich sogleich von seiner Malerei, besonders von den lebendigen und ausdrucksstarken Ölportraits, begeistert. Hatte ich die factory18, Stephans Galerie und Kunstwerkstatt, Anfang des Jahres noch als Kunde betreten, arbeite ich mittlerweile als Assistent bei ihm und durfte währendessen schon einigen Mal-Sessions beiwohnen, unter anderem auch einer Portraitsitzung des Rektors der Boku. Des Öfteren überlegten wir, auch mich einmal zu portraitieren, konnten jedoch keinen richtigen Zeitpunkt dafür finden.

Dann ging es auf einmal ganz schnell. Eines abends schlug Stephan vor, mich spontan an Ort und Stelle zu malen, was mich überraschte, da er seine Portraits normalerweise sorgsam plant und vorbereitet. So schaute ich zunächst voller Skepsis zu, wie er durch die factory schritt und alle zu benötigenden Materialen zusammentrug: einen alten Keilrahmen, eine schon auf den ersten Blick viel zu kleine Leinwand, die fast eingetrocknete Farbpalette eines vorherigen Gemäldes und natürlich den Malkoffer mit den Farben und Pinseln. Ich konnte mir nicht vorstellen, wie daraus ein Portrait entstehen sollte, denn all dies widersprach der Arbeitsweise, wie ich sie bisher bei ihm kennengelernt hatte. Einzig das Mischen neuer, sauberer Farben, die auf meine Haut- und die Umgebungstöne abgestimmt waren, beruhigten mich etwas. Doch dann traten erneute Zweifel auf, als ich sehen konnte, dass er gar nicht meinen ganzen Kopf, sondern nur den oberen Part meines Gesichtes in wilden Strichen wiedergab. Zwischendurch kratzte er mit der Spachtel einige Teile der alten Farbpalette ab und schmierte die erhärteten Reste in mein gemaltes Gesicht.

Dann war plötzlich Schluss. Mit einem breiten Grinsen im Gesicht forderte er mich auf, das Resultat zu betrachten. Etwas verunsichert durch die kurze Dauer des Malens und die verwendeten Materialen, wagte ich einen ersten Blick… und war auf Anhieb begeistert! Der freie Charakter des Portraits wurde durch die pastosen Bereiche mit den alten Farbresten und die wilde Pinselführung über den Bildrand hinaus nicht nur verstärkt, sondern vielmehr abgerundet. So entstand ein kleines Meisterwerk, auf das ich sehr stolz bin und das immer einen besonderen Platz bei mir haben wird.

Weitere Portraits in Öl von Stephan Oismüller kann man auf www.ölportrait.at bewundern.

Neu: Mini Kunstsupermarkt in Wien

Ein neuer Kunstsupermarkt in Wien Währing findet zum zweiten Mal statt

 

 

Kunstsupermarkt Währing - Mini Kunstsupermarkt 2x im Monat

Schon der erste Termin im November 2017 lockte mit rund 800 Kunstwerken. Geboten wurden Zeichnungen, Aquarelle, Grafiken und Drucke zu Preisen ab 20 Euro aufwärts. Künftig findet der Mini-Kunstsupermarkt in der Währinger Straße 157 jeden ersten und letzten Freitag im Monat jeweils von von 13 bis 18 Uhr statt.

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